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Letzte Änderung: 16.09.2009


Münzfreunde würdigen Dr. Helmut Schubert,
Präsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft,
mit der Prinz-Alexander-Medaille
im Rahmen des 3. Darmstädter Münzsammlertreffens in Darmstadt am 25.9.2006. Vor zahlreichen Teilnehmern hielt Frau Dr. Elfriede Neubuhr-Naumann die Laudatio auf den Preisträger für Verdienste um den Darmstädter Verein, die Numismatik im Allgemeinen und die Sammlerschaft im Besonderen .
Laudatio auf den Preisträger
Lieber und sehr verehrter Herr Doktor Schubert.
"Ich hab's gewagt mit Sinnen und trag des auch kein Reu." Diesen Ausspruch Ulrich von Huttens, aus einem seiner Lieder von 1521, haben Sie unserem Verein geschrieben, als wir Ihnen mit Arthur Hüffells "Datterichs Geld" zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der "Deutschen Numismatischen Gesellschaft" im Jahre 2007 gratulierten. Ich möchte dieses Wort als eines Ihrer Lebensprinzipien auffassen: Etwas mit Besonnenheit tun, nach reiflicher Überlegung - "mit Sinnen" -; dann aber auch dazu stehen, nicht nachträglich darüber grübeln und die eigenen Entscheidung wieder infrage stellen, ja bedauern: "und trag des auch kein Reu." Ich muss sagen, dieser Ausspruch, der mir schon in anderem Zusammenhang begegnet war, und zwar als Wahlspruch eines der Wiederstandskämpfer im Dritten Reich, hat mir großen Eindruck gemacht. Ich beneide und bewundere diese Einstellung, und ich war nicht nur überrascht, sondern auch erfreut, dieses Motto gerade von Ihnen zitiert zu hören. Ich meine, es darf wirklich über Ihrem Leben stehen; denn Sie haben immer einmal wieder ganz entscheidende Neuanfänge gewagt und sie offensichtlich - so weit man das als Außenstehender beurteilen kann -, auch nicht bereut.

Doch fangen wir von vorne an, nicht so sehr für Sie, der Sie die Fakten ja alle, weil selbst erlebt, kennen, sondern für die Zuhörer, die zu diesem Festakt gekommen sind:
Dr. Helmut Schubert wurde am 21. Juli 1943 geboren, also mitten im Krieg, was nicht unerheblich auf sein Leben und sein Wesen gewirkt haben mag. Er wurde geboren im hessischen Schlüchtern; wobei ich gestehen muss, dass ich als Hamburgerin gar nicht wusste, wo das liegt. Inzwischen habe ich diese Wissenslücke aufgefüllt. Schlüchtern ist ein kleiner Ort nördlich von Bad-Soden und Bad Orb, oder - weiträumiger gesagt - zwischen Frankfurt und Fulda, etwas nüher zu Fulda hin. Dort ist Helmut Schubert aufgewachsen, dort hat er seine Kindheit und Jugend verbracht, also auch das dortige Ulrich-von-Hutten-Gymnasium besucht. So erklärt sich wohl auch der Wahlspruch dieses bedeutenden, aber glücklosen Dichters, Humanisten und Ritters (Landsknechtes) der Reformationszeit. 1963 hat Helmut Schubert mit dem Abitur an dieser Schule seine frühen Lebensjahre abgeschlossen.

Dann kam die erste Entscheidung "mit Sinnen". Helmut Schubert entschloss sich zu einem Studium der evangelischen Theologie in Marburg und später in Bonn. Ein Entschluss, der wirklich viel Besonnenheit und innere Klarheit braucht; denn Theologie ist ja nicht nur wissenschaftliche und intellektuelle Akrobatik, sondern muss fundiert sein, von dem, was wir "Glauben" nennen. Den Mut zu haben, sich dazu zu bekennen und alle eventuellen Zweifel immer wieder zu besiegen, kann ich nur bewundern. In Bonn machte er 1969 sein erstes Theologisches Examen.

Inzwischen aber hatten sich neue Horizonte aufgetan. In einer Vorlesung über die Geschichte des Urchristentums wurde Helmut Schubert mit einem umfassenderen und allgemeineren Einblick in die antike Welt vertraut gemacht. Er muss ihn so fasziniert haben, dass er abermals "mit Sinnen" seinem Leben eine neue Richtung gab. Er wechselte die Fakultät und studierte in Frankfurt am Main Hilfswissenschaften der Altertumskunde und Antiken Geschichte. Dieses Studium wurde 1973 mit dem Magisterexamen abgeschlossen. Seit 1972, also noch während des Studiums, arbeitete er bereits als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an dem Projekt "Fundmünzen der Antike", zunächst nur auf einer Teilzeitstelle.

Dann wieder eine neue Entscheidung: Helmut Schubert blieb auch nach dem Magisterexamen den historischen Hilfswissenschaften treu, spezilisierte sich weiterhin auf dem Gebiet der Numismatik und erhielt 1974 eine Vollzeitstelle am damaligen Seminar für Griechische und Römische Geschichte. Die Bearbeitung von Fundmünzen blieb er ebenfalls treu und schloss sein Studium mit einer Dissertation bei Maria R.-Aföldi 1978 ab. Der Titel: "Studien zum spätrömischen Münzumlauf in Ägypten 1. Folles- und Aes-Schätze aus dem 4. Jahrhundert n.Chr." Den Fundmünzen der Antike, besonders in Deutschland, galt sein besonderes wissenschaftliches Interesse. Die Entscheidung von 1974 geschah offensichtlich "auch ohn Reu"; denn die forschende Tätigkeit am eben genannten Institut dauerte fort bis zu seiner Emeritierung am 30. Juli 2008. Diesem Interesse für antike Fundmünzen in Deutschland verdanken die "Münzfreunde Darmstadt" sechs oder sieben Vorträge im Zeitraum von 1996 bis 2009. Sie alle stießen bei uns auf großes Interesse; denn sie waren äußerst informativ und anregend. Wir möchten auch weiterhin - wenn's denn möglich ist - an seinen reichen Kenntnissen teilhaben, indem er gelegentlich zu uns nach Darmstadt kommt, um uns durch einen weiteren Vortrag zu erfreuen und zu belehren. - Auf seine Publikationen möchte ich nicht inm Einzelnen eingehen. Das würde zu viel Raum einnehmen. Ich selbst habe nur zwei Aufsätze gelesen, was also keinen erschöpfenden Eindruck vermitteln würde.

Irgendwann während seiner beruflichen Tätigkeit ist dann die Entscheidung gefallen, 1986 der Numismatischen Gesellschaft Frankfurt beizutreten, nachdem er dort schon viele Jahre als Gast an den Veranstaltungen teilgenommen hatte. Auch das eine Entscheidung mit Konsequenzen: 1989 wurde Dr. Schubert stellvertretender Vorsitzender dieses Vereins und 1998 erster Vorsitzender in der Nachfolge von Frau Dr. Gisela Förschner. Es war sicher eine Entscheidung "mit Sinnen" und vermutlich auch "ohn Reu"; denn anders wäre es wohl nicht zu erklären, dass Dr. Schubert noch einmal seinem Leben, wenn auch im Rahmen der Numismatik, eine neue Richtung gab. 2007 in Nürnberg ließ er sich zum Präsidenten der "Deutschen Numismatischen Gesellschaft" wählen als Nachfolger von Dr. Gerd Dethlefs aus Münster. Wir wünschen ihm bei dieser Tätigkeit viel Erfolg. Für diese hat er sich drei Ziele gesetzt: Zuvörderst möchte er erreichen, dass sich die vielen deutschen Münzvereine freundschaftlich einander annähern. Er möchte außerdem die Sammler intensiv dahingehend ermuntern, die Münze als kulturgeschichtliche Quelle, zu würdigen, die das historische Wissen des Einzelnen vertieft und bereichert. Sie sollen mit Leidenschaft weiter sammeln. Und das dritte Ziel - die "Frankfurter Rundschau" berichtete darüber im Januar dieses Jahres und bezeichnete Dr. Schubert als "Kämpfer" - dieses Ziel ist es, den Vorwürfen gegen Münzsammler, die diese kriminalisieren, energisch entgegenzutreten. Den Sammlern wird immer wieder vorgeworfen, dass sie Fundschätze unterschlügen, Hehlerware sammelten und kein normales Rechtsbewusstsein hätten. Oft entbehren die polizeilichen Mittel, mit denen gegen einige Sammler vorgegangen wird, der Verhältnismäßigkeit. Dr. Schubert aber weiß und will dieses Wissen stärker im Allgemeinbewusstsein verankert sehen, dass die mehreren tausend Sammler in Deutschland mit ihrem Hobby den numismatischen Wissenschaftsbetrieb durchaus bereichern und voranbringen, und er möchte um jeden Preis verhindern, das heißt, als "Räuber" abgetan werden.

Mancher Zuhörer wird in dieser Laudatio Einblicke in den privaten Bereich vermissen. Aber dem kann ich nicht abhelfen. Dr. Schubert ist zwar immer freundlich, gesprächsbereit, interessiert; aber was seine Person angeht, außerordentlich zurückhaltend. Ich habe nur in Erfahrung bringen können, dass er sich in seiner Freizeit mit moderner deutscher Literatur beschäftigt und klassische Musik liebt, vor allem Richard Wagner. Ganz subjektiv kann ich feststellen: Dr. Schubert ist in seinem Auftreten außerordentlich bescheiden. Ihm fehlt so jegliches akademische Überlegenheitsgefühl, und er antwortet auf die Fragen seiner Zuhörer als wären sie von gräßter Wichtigkeit. Er ist ein Mensch, dessen Umgang angenehm ist, dem man gerne zuhärt, der aber auch ebenso gerne selbst zuhört. Kurz gesagt: er ist sympathisch, um es einmal neutral auszudrücken. Wie gesagt: mehr kann ich nicht sagen.

Ob Helmut Schubert, was das Präsidentenamt im numismatischen Spitzenverband und die Ziele seiner Tätigkeit dort betrifft, eines Tages auch sagen kann: "Ich hab's gewagt mit Sinnen und trag des auch kein Reu" - das wünschen wir ihm von Herzen.



Dr. Elfriede Neubuhr-Naumann
2. Vorsitzende Münzfreunde Darmstadt 1962 e.V.

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