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    Letzte Änderung: 6.11.2006


Münzfreunde würdigen Dr. Gunter Quarg mit der Prinz-Alexander-Medaille
im Rahmen des 41. Süddeutschen Münzsammlertreffens in Darmstadt vom 29.9. bis 1.10.2006. Vor zahlreichen Teilnehmern, darunter Stadtrat Anton Schintler (UFFBASSE), Dr. Gerd Dethlefs, Präsident der Deutschen Numismatischen Gesellschaft und Münzfreunden aus nah und fern, hielt Frau Dr. Elfriede Neubuhr-Naumann die Laudatio auf den Preisträger für hervorragende Verdienste für den Darmstädter Verein und die Numismatik.
Laudatio auf den Preisträger
Lieber und sehr verehrter Herr Dr. Quarg.
Anlässlich des zum vierten Mal von den "Münzfreunden Darmstadt" ausgerichteten Süddeutschen Münzsammlertreffens, das einen festlichen Rahmen gewährt, möchte unser Verein diese Gelegenheit nutzen, um Sie mit der Prinz-Alexander-Medaille für "Verdienste um die Darmstädter Münzfreunde und die Numismatik im allgemeinen" auszuzeichnen. Diese Ehrung wurde vor vier Jahren anlässlich des vierzigjährigen Bestehens des Vereins geschaffen und erstmalig vergeben. Heute ist es das zweite Mal, dass wir jemanden mit dieser Medaille auszeichnen wollen.

Mir ist es zugefallen, die Laudatio oder Lobrede, wie man so schön sagt, auf Sie zu halten und damit zugleich unsere Wahl zu begründen. Nun habe ich persönlich etwas gegen diesen Begriff "Lobrede", birgt er doch die Gefahr in sich, dass das Lob in Schmeichelei umkippt. Ich möchte darum bescheidener vorgehen und nur darlegen, was uns im Vorstand so fasziniert hat an Ihnen und Ihrem numismatischen Werk, dass wir uns für Sie als "Preisträger" entschlossen haben - was keinem von uns schwer fiel und einstimmig geschah. Somit wird mein Bericht zwar sehr subjektiv, dafür aber um so authentischer sein.

Ich kam erst 1991 in den Verein, als Sie, als Gründungsmitglied, schon ein "alter Hase" dort waren. Ich hörte - wann und worüber weiss ich nicht mehr - Ihren ersten Vortrag und war tief beeindruckt. Und dieses Gefesseltsein hat sich bis heute erhalten. Was ist es, das Sie so ungewöhnlich macht?

1. Mich hat damals verblüfft und beeindruckt Ihre lucide und druckreife Vortragsweise, gleichsam aus dem Stehgreif. Sie hatten zwar eine Liste mit den Dias, die zur Anschauung kommen sollten; aber kein Manuskript. Sie sprachen trotzdem ohne zu stocken, fliessend und selbstverständlich über den darzustellenden Gegenstand, ohne auch nur ein einziges Mal innehalten, nachdenken, sich verhaspeln oder wiederholen zu müssen. Wer selbst einige Erfahrung im Unterrichten und Vorträgehalten hat, kann das nur neidvoll bewundern. Sie brachten auch keine Literatur mit, um aus ihr zu zitieren. Sie hatten alles im Kopf. Nun könnte man denken, zu Hause oder im Hotelzimmer gäbe es ein Manuskript; aber das glaube ich nicht; denn in den Diskussionen nach Ihren Vorträgen waren Ihre Ausführungen genauso fliessend, so eindrucksvoll und selbstverstündlich wie vorher der Vortrag. Diese Mühelosigkeit hatte etwas Verblüffendes, denn sie war gepaart mit einem unerschüpflichen Wissen.

2. Und damit komme ich zum zweiten Punkt: Ihr unerschöpfliches Wissen. Wo immer man in der Diskussion durch eine Frage antippte, Sie konnten sofort Auskunft geben und zwar nicht nur über den engen Sachverhalt der Frage selbst, sondern über das gesamte historische und kulturelle Umfeld. Sie blieben nie nur beim rein Numismatischen, sondern verstanden es, die numismatischen Einzelheiten in die grösseren Zusammenhänge des Politisch-Geschichtlichen, des Geistesgeschichtlichen, ja des soziologischen Umfeldes einzubauen. Man blieb nie nur am Detail, so interessant dieses auch sein mochte, kleben. Immer eröffnete sich ein weiterer Horizont, über die einzelnen Münze oder Medaille hinaus.

Dass Sie kein gelernter Numismatiker sind, konnte man nicht merken. Und hier darf ich kurz biographisch einfügungen: Sie sind gelernter Chemiker mit einer anschliessenden Ausbildung als wissenschaftlicher Bibliothekar,der dann an der Universitäts-und Stadtbibliothek Köln seine Lebensstellung fand und für einen Teil des naturwissenschaftlichen Bereichs mit dem Schwerpunkt "Chemie" Ihnen mit Recht nach. Warum?

Sie haben dem Aphorismus Lichtenbergs "Wer nichts als Chemie versteht, versteht auch die nicht recht" alle Ehre gemacht. Neben Ihrem Haupthobby Numismatik - wenn ich es einmal so nennen darf - haben Sie vor allem für und in der Bibliothek Ausstellungen verschiedenster Art gemacht. Sie haben sich mit musikgeschichtlichen Fragen, mit Bibliophelie und Bücherkunde, mit Kölner Stadtgeschichte und vielem anderen beschäftigt. Die Fülle Ihrer Publikationen ist beeindruckend und nachzulesen in einer kleinen Schrift, die man in Küln zu Ihrer Verabschiedung herausgegeben hat. Sie enthält eine kurze Biographie und ein Verzeichnis Ihrer Veröffentlichungen. Dort kann fündig werden, wer sich intensiver mit diesem Teil Ihres Lebens und Wirkens beschäftigen möchte. Die Vielzahl der Vorträge, die Sie im Laufe der Jahrzehnte gehalten haben, blieb dabei selbstverständlich unberücksichtigt.

Zugleich waren Sie keineswegs nur ein Bücherwurm und Stubengelehrter, wie man sie so schön dargestellt im 19. Jahrhundert findet (siehe Spitzweg), sondern Sie haben durchaus in der Realität gelebt und, wenn es Ihnen sinnvoll erschien, auch in sie eingegriffen. Ich möchte nur ein Beispiel herausgreifen. Sie waren es, der damals über das deutsche Finanzministerium die EU-Finanzminister darauf hinwies, wie man bei der Gestaltung der neuen Währung des Euro, europäische und berechtigte nationale Interessen vereinigen könnte. Die meisten von Ihnen werden darüber informiert sein, weil nicht nur im "Numismatischen Nachrichtenblatt", sondern - wenn ich mich nicht irre - auch im Fernsehen darüber berichtet wurde. Die Lösung: eine gemeinsame europäische Seite, die den Nennwert der Münze angibt, und eine nationale Seite, die jedes Mitgliedsland aus seinem Kulturerbe gestalten durfte, war einfach genial. Dass Sie sich an ein ähnliches Vorgehen bei der Vereinheitlichung der verschiedenen deutschen Länder im 19. Jahrhundert anlehnten, tut dem keinen Abbruch. Warum soll man nicht manchmal auch aus der Geschichte lernen oder auf diese Art lebendig erhalten?

3. Ich kehre von diesen mehr sachlich-wissenschaftlich orientierten Ausführungen noch einmal zu dem persönlichen Erleben Ihrer Person zurück. Dazu muss ich kurz erwähnen, dass ich seit ca. 1998 für die Programmgestaltung der "Darmstädter Münzfreunde" verantwortlich bin. Und da waren Sie wirklich ein "Freund" der "Münzfreunde". Sie haben aus jeder Verlegenheit geholfen, wenn es irgend ging. Fragte man nach einem Vortrag für das kommende Jahr, so hatten Sie selbstverständlich etwas parat. Ja, manchmal befand ich mich in der glücklichen Lage, gar nicht erst bitten oder anfragen zu müssen, sondern Sie machten eigene Vorschläge. Es war fabelhaft. Ich bekam auch, sobald der Termin vereinbart war, nach kürzester Zeit schon eine Liste mit den vorzustellenden Dias zugeschickt, so dass ich sicher war: Dieser Vortrag steht. Und wenn ich einmal so unhöflich sein musste, wie es das Jubiläumsjahr Liebigs erforderte, dass ich Sie bitten musste, Ihren Alexandervortrag auf das nächste Jahr zu verschieben, und Sie statt dessen um einen Liebigvortrag bat, so waren Sie keineswegs gekränkt, sondern sofort bereit, diesen Wunsch zu erfüllen.

Wieviel Sie für den Verein getan haben, wie gut die Zusammenarbeit mit Ihnen war, stets freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit von Ihrer Seite, können wohl nur die Vorstandsmitglieder ermessen. Und so war es für uns auch eine Selbstverständlichkeit, Sie im Rahmen des Süddeutschen Münzsammlertreffens mit der Prinz-Alexander-Medaille auszuzeichnen, denn Sie haben wahrhaft über die Jahrzehnte hin viel für die "Münzfreunde Darmstadt" - abgesehen von Ihrer eigenen umfangreichen Sammlertätigkeit und Ihren numismatischen Verüffentlichungen, die ja allen an diesem Fach Interssierten zugute kamen - getan und sich für unsere Programme selbstlos eingesetzt. Wir können das nicht zurückgeben, aber wir hoffen und wünschten uns, dass wir Ihnen mit dieser kleinen Anerkennung eine Freude machen - zum Beginn Ihres Ruhestandes. Für diesen wünschen wir Ihnen alles Gute, viel Kraft und Frische für weitere numismatische Arbeiten, für Publikationen im "Nachrichtenblatt" und Vorträge bei uns. Wir wünschen Ihnen aber auch Freude an der Freiheit vom Berufsleben und dem Mehr an Zeit für Ihre "Liebhabereien". Nochmals: herzlichen Dank.


Dr. Elfriede Neubuhr-Naumann
2. Vorsitzende Münzfreunde Darmstadt 1962 e.V.

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