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Letzte Änderung: 22.10.2014


Nachbetrachtung

Nachbetrachtung

zum 49. Süddeutschen Münzsammlertreffen in Darmstadt
Ausrichter des Treffens waren die Münzfreunde Darmstadt 1962 e.V. (MfD). Der Vorabend, Freitag 10.10. war als normales Tausch-, Informations- und Vortragstreffen der MfD ausgewiesen, fand aber wegen des besonderen Anlasses und der bereits angereisten Gäste im Großen Saal des Prinz-Emil-Schlösschens statt. Referent war MfD-Mitglied Michael Arndt, der über die Münzen und Medaillen der Food and Agricultural Organisation (FAO) der Vereinten Nationen sprach. Das Hauptziel der FAO, die Verbesserung von Ernährung und Landwirtschaft für die Völker der Erde versuchte man zunächst durch werbende Bilder und Texte auf Umlaufmünzen einzelner Mitgliedstaaten zu erreichen, später durch den Verkaufserlös von kommerziell vertriebenen Sammlermünzen mit entsprechenden Motiven. Vitrinenausstelung
Ausstellungen in Vitrinen und auf Schautafeln
Dazu kamen noch einige Kunstmedaillen, mit denen das Programm um das Jahr 2000 abgeschlossen wurde und die Arndt mit einer Auswahl der Münzen in einer Vitrine zeigte.

Das Generalthema der Tagung (Münzkabinette) illustrierte der Vorsitzende der MfD, Karl Heinz Fröhner mit einer Ausstellung von Medaillen und Münzen auf Münzkabinette und Museen mit numismatischen Sammlungen z.Bsp. in Berlin, Karlsruhe, Schwerin, Kopenhagen, Prag, Wien usw.
Eröffnung des 49. SMT durch Dr. Albert
Eröffnung des 49. SMT durch Dr. Albert (Vizepräsident der DNG)
Nach seinem Grußwort und der Eröffnung durch den Vizepräsidenten der DNG, Dr. Rainer Albert, stand im ersten Referat von Dr. Gunter Quarg (MfD) das lokale Münzkabinett des Hessischen Landesmuseums Darmstadt (HLMD) auf der Tagesordnung des 11.10.
Aus diversen fürstlichen Sammlungen des 18. und 19. Jahrhunderts entstanden, umfaßte es bis zur Zerstörung von 2/3 des Bestandes beim Bombenangriff am 11./12.9.1944 ca. 60 000 Münzen, Medaillen und einige Prägestempel. Restaurierung und Wiederaufbau der musealen Abteilung des HLMD gestalteten sich schwierig. Eine wesentliche Verbesserung von Kenntnis, Ordnung und Aufbewahrung der ca. 20 000 im Tresor befindlichen Stücke brachte die in den Jahren 2010-2013 angeordnete Evaluierung (Zählung und Taxierung) der numismatischen Objekte, von denen seit Jahrzehnten wieder einige wenige im sanierten Landesmuseum ausgestellt sind.
Münzausstellung im Hess. Landesmuseum
Münzausstellung im Hess. Landesmuseum
Staatl. Münzsammlung München
Staatliche Münzsammlung München
Im 2. Vortrag des 11.10. konzentrierte sich Dr. Martin Hirsch (Staatliche Münzsammlung München) auf zwei Schwerpunkte: die Gründung und Erstausstattung der Sammlung durch Herzog Albrecht V. von Bayern (1528- 1579) und die Arbeiten ihres Direktors Georg Habich (1868-1932, im Amt 1895 - 1932), der vor allem durch sein Korpuswerk der deutschen Schaumünzen des 16. Jahrhunderts bekannt ist.
Richtig spannend wurde der Habich-Exkurs, als Hirsch einen kürzlich gemachten Überraschungsfund beschrieb: Gipse, Fotos und Karteikarten für die von Habich geplante, aber erst nach dem 2. Weltkrieg begonnene 2. Abteilung des Korpus mit Medaillen unbekannter Meister, geordnet nach dem Alphabet der Dargestellten.

Die Führungen am Samstagnachmittag wurden durch zunehmend sonniges Wetter begünstigt so daß nicht nur die Besucher des HLMD, sondern auch die im Botanischen Garten auf ihre Kosten karten. Allen Museumsinteressenten wird der überraschend winzige "Münzerker" im Waffensaal im Gedächtnis bleiben, der schöne und seltene Stücke präsentierte, in der Korrelation zwischen Beschreibung und zugehörigem Objekt jedoch Wünsche offenließ, die im Gästebuch des HLMD notiert wurden. Die gleichzeitig mit den Führungen angebotene Münzbörse durch Vereinsmitglieder, eine Tradition der Süddeutschen Sammlertreffen, von der die MFD nicht lassen müchten, wurde freilich nur wenig besucht.

Der Sonntagvormittag (12.10.) brachte in dem Vortrag von Dr. Matthias Ohm (Münzkabinett des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart) manche Parallen mit Darmstadt zutage. So gelang es auch hier heutige Bestände in alten Inventaren nachzuweisen. Ähnlich wie in Darmstadt führte die Neuorientierung der Museumsdidaktik, zur Reduzierung der einst reichlich bestückten Münzenausstellung auf wenige Themenvitrinen.

Landesmuseum Württemberg
Landesmuseum Württemberg Stuttgart
Geldmuseum Frankfurt
Geldmuseum der Deutschen Bundesbank Frankfurt

Im Gegensatz dazu konnte Dr. Alexander Ruske (Geldmuseum der Deutschen Bundesbank Frankfurt a.M.) über den geplanten Ausbau der jetzt schon großen Halle bis 2016 berichten, die den Münzen, Medaillen, vormünzlichen Zahlungsmittel und der relativ riesigen Papiergeldsammlung der Bundesbank ein repräsentativen Rahmen geben wird.
Den fürstlichen Glanz des Gothaer Münzkabinetts brachte dessen Leiterin Uta Wallenstein in eindrucksvollen Bildern zum Leuchten. Nicht nur verfügt das Schloß Friedenstein noch über die originale Kabinettsausstattung des 18. Jahrhunderts, sondern auch über große Serien prächtigster Gold-, und Silbermünzen und -medaillen. Beim Publikum höchst erfolgreich ließ sich durch die Einrichtung des Neuen Kabinetts der für die Nachwuchsfürderung so wichtige Kreis junger und jüngster Münzliebhaber bedeutend vergrößern.

Münzkabinett Gotha
Historisches Münzkabinett Gotha
Erfreut konnte man zwischen den Vorträgen einen lebhaften Austausch von Erfahrungen, Meinungen, Projektideen, Adressen und Fotos beobachten, der durch die nicht zu hohe Teilnehmerzahl, die familiäre Atmosphäre des Prinz-Emil-Schlößchens und das schöne Wetter beflügelt wurde. Soweit zu hören war, haben alle das Treffen zufrieden verlassen. Mehr kann man sich als Veranstalter nicht wünschen.

Münzkabinett Gotha

Text: Gunter Quarg, Fotos: Gunter Eichler
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