Im Blickpunkt

Deutscher Medailleurpreis 2018 der Stadt Suhl und der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst
Almuth Lohmann-Zell
"Trans-Woman", 2017, Bronze, ca. 85 x 67 x 16 mm

 
Vorderseite
Die Medaille ist rund und steht auf einem Kreuz. Die Kontur ergibt das Symbol eine Frau, aber nicht nur: oben rechts steht ein kleiner Stipsel ab. Es sind keine perfekten geometrischen Formen, der Kreis ist an zwei Stellen aufgebrochen, die Kanten sind eher weich. Auf der ö Seite der Medaille erkennen wir zwei kräftige Buchstaben. Eigentlich ein Doppel-X, doch bei dem rechten X ist irgendwie das eine Bein gebrochen. Es wirkt wie halbfertig angelegt, wächst es wieder an? Oder ist es ein neues Glied am Buchstaben und wir haben es also eher mit einem Ypsilon zu tun? Außerdem sieht das gebrochene Bein wie ein Pfeil aus. Was hat es mit diesen Buchstaben auf sich?
 
Rückseite
Die nach innen gewölbte andere Seite der Medaille hilft uns nur bedingt weiter. Wir erkennen einen Menschen von hinten, die Arme erhoben. Ein Mensch, der um Hilfe fleht? Ein Mensch, der seine Arme dem Leben entgegen streckt? Einen Hinweis erhalten wir durch das eingeritzte Wort auf dem Kreuz. Dort steht IDENT, ein Wortteil, das sich erst mit dem Seitenwechsel der Medaille zu TRANSIDENT erschließt.


Transident, eine Transidentität: eine Quer-Identität also, ein querer Mensch, einer, der nicht den von der Gesellschaft vorgegeben Linien folgt, sondern jenseits steht oder hindurch geht. Eine Bezeichnung, die Menschen verwenden, deren Körpergefühl nicht ihrem biologischen Geschlecht entspricht oder deren Körper mehrgeschlechtlich sind. Das biologische Geschlecht eines Menschen wird durch seine Chromosomen bestimmt. XX steht für eine Frau, XY steht für einen Mann. Das wird SEXUS genannt. Unsere Geschlechtsidentität wird jedoch noch von anderen Faktoren beeinflusst. Zum einen gibt es Abweichungen im Chromosomensatz und unsere Hormone tragen ihren Teil dazu bei. Zum anderen spielen soziale und gesellschaftliche Prägungen eine wichtige Rolle, wie wir Geschlecht wahrnehmen. So benennt nicht nur die Forschung heute ein weiteres Geschlecht, das soziale Geschlecht: Es wird GENDER genannt. Je nach Ausprägung des sozialen Geschlechtes kann sich ein Mensch mit seinem biologischen Geschlecht wohler oder unwohler fühlen. Sowohl das biologische als auch das soziale Geschlecht prägen uns, machen uns zu dem speziellen Menschen, der wir sind.


Beschreibung von Maya Graber, Geschinen (Schweiz)